Fuji X-T2, ein Licht am Ende des Tunnels?

Der Erfahrungsbericht

Die Canon und die Sony sind weg, die Fuji X-T2 ist da. Die ersten Monate sind vergangen. Zeit für einen kleinen Erfahrungsbericht. Ist alles schick, oder war alles für die Katz?

Vorweg: Ich bereue nichts. Der Systemwechsel hat schon erstmal weh getan. Jedoch war es der einzig konsequente Schritt, nach meinem Wochenendtest mit der Fuji X-T2 und, nachdem Canon in der Zwischenzeit die nicht so tolle EOS 6D Mark II veröffentlicht hat, definitiv auch die richtige Entscheidung.

Der Kauf

Ich bekam meine alten Kameras und Linsen erstaunlich gut verkauft und habe dann schliesslich am 04.06. bei Calumet zugeschlagen.
Da ich jetzt schon häufiger Kontakt mit einem der Verkäufer in Hamburg hatte und keine Lust auf Post und Warterei hatte, bin ich halt spontan mit dem Zug nach Hamburg um Jens-Peter Schneider mal persönlich kennenzulernen! Calumet, Jens-Peter Schneider, Fuji X-T2Außerdem erwartete ich das Wochenende Besuch von Freunden, die ich unbedingt fotografieren wollte.
Die Kaufabwicklung war wieder einmal vorbildlich. Calumet hat es ausgezeichnet verstanden Internetgeschäft und persönliche Betreuung zu verbinden. Während der Einzelhandel im allgemeinen eher weint, nutzen die Ihre Chancen. Find ich klasse!

Mein Set war klar. Es wurde als Kamerabody:
Die Fuji X-T2 (nett: mit gratis Batteriegriff)
und an Brennweiten:
Fujinon 16mm F1.4
Fujinon 23mm F1.4
Fujinon 35mm F1.4
Fujinon 56mm F1.2
gekauft.

Vor Ort, erhielt ich erstmal einen unterhaltsamen, historischen Ausflug in Hamburgs Geschichte was die Umgebung der Calumet Filiale angeht. Auf Grund der Kartonwand die sich nach und nach vor mir aufbaute, bot mir Jens-Peter dann direkt an, dass er mir diese gern gratis nachsenden würde, wenn ich nur mit dem Rucksack loswollte. Klasse Service!

Aus meinem geplanten Kurztrip durch Hamburg wurde leider nichts, da der mir aus Hannover schon mehr als bekannte Hamburger Sommer erneut zugeschlagen hatte. Es regnete.

Die Fuji X-T2

Wie ist sie denn nun? Tja, ich würde gern sagen sie ist perfekt. Das ist sie nicht. Aber sie ist verdammt nah dran!
Ich liebe diese Kamera und ich kann sie auch kaum aus der Hand legen.

Die Pros der Fuji X-T2

Technik:

Die Fuji X-T2 ist, wenn man den vergleichsweise großen Body der Canon 80D gewohnt ist, ein ganzes Stück kleiner. Sie wirkt deutlich wertiger, da kaum Plastik verwendet wird. Das Design selbst ist großartig! Es ist an alte Spiegelreflexkameras angelehnt. Fast alle Funktionen sind über Drehrädchen und Schieber zu erreichen.
Die Bedienung ist weitestgehend selbsterklärend. Die Tasten sind (fast) alle logisch angeordnet und auch das Menü ist mit flacher Hierarchie und klarer Struktur versehen.
Das Display ist super. Farben, Helligkeit und Auflösung sind praxisgerecht umgesetzt. Das Display ist zwar nicht frei beweglich, wie an der Canon 80D, aber je nach Nutzung vertikal, oder horizontal klappbar.
Der elektronische Sucher ist genial! Nichts zieht nach (ok, im Dunkeln braucht man den Leistungsboost…), hochauflösend werden alle Einstellungen direkt angezeigt.
Die Kantenhervorhebung zum fokussieren funktioniert ebenfalls super und was ich auch spannend finde, als Alternative eine klassische Schnittbildansicht. Auch klasse gelöst: ich kann Schnittbild, oder Kantenhervorhebung mit einem Druck aufs Daumenrad mit der Fokuslupe kombinieren. Mehr geht nicht!
Zwei Speicherkartenslots sind auch nett.

Die Bildqualität

Kurz und bündig: ich bin baff. Das ist wie auf einem anderen Planeten aufzuwachen. Die Bilder sind gestochen scharf. Ja schon fast zu sehr.
Die eingebauten Filmsimulationen in der Fuji X-T2 haben mich dazu übergehen lassen, RAW+JPG zu nutzen, einfach weil ich bei vielen Bildern garnicht mehr soviel bearbeiten muss (und will). Speziell der Acros (mit Rotfilter) als Schwarz-Weiss-Simulation und der Chrome, haben es mir richtig angetan. Beim Autofokus gibt es Licht und Schatten. Das Gute: Wenn er sitzt, sitzt er. Selbst beim Fujion 56mm F1.2 erziele ich offenblendig direkt scharfe Ergebnisse.

ISO Rauschen?
Kati, Fotograf Hannover
Kati, aufgenommen mit ISO 5000

Wiegesagt, ein neuer Planet was Bildqualität angeht. Es gibt Internetberichte, die sagen Fuji würde hier schummeln. Ganz ehrlich? Selbst wenn, ist mir egal. Wo ich bei Canon bei 6400 ISO nur noch Schnappschussqualität hatte, kann ich bei der Fuji X-T2 je nach Situation auch bei 12.800 ISO ein zumindestens facebookfähiges Bild erzeugen. Bei 12.800 ISO war bei Canon nur noch Geschlechter- oder Bilderraten als Spiel möglich.

Dynamikumfang?

Man findet dazu nicht viel im Internet. Video- und Bildvergleiche sagen: schlechter als eine Nikon D810 (was jetzt keine Überraschung ist), aber mindestens genauso gut wie die Canon 80D und Sony Alpha6000. Ich kann nur raten, würde den Dynamikumfang aber um die 14 Blenden schätzen. Sprich: alles schick!

Maschsee in Hannover mit Velvia
Maschsee in Hannover mit Velvia
Objektive

Das war ja nun einer meiner Hauptgründe um zu Fuji zu wechseln. Die Gläser sind wirklich richtig gut. Ich habe bisher mit keinem der Objektive ernsthaft Probleme bekommen. Die Haptik ist großartig, es macht richtig Spass über die Blende zu steuern, oder wie beim Fujinon 16mm F1.4 und dem Fujinon 23mm F1.4 durch das zurückziehen des Fokusrings direkt in den Manuellfokus zu wechseln.
Die Linsen sind offenblendig schon richtig scharf und sie sind jeweils 20-30% kleiner, als vergleichbare DSLR-Objektive, was meinen Rücken schont.
Ich finde Sie auch tatsächlich alle gut. Das 16mm ist eine tolle Landschaftslinse, kann aber auch als Aushilfsmakro dienen, oder zaubert tolle Perspektiven mit Kindern.
Das 23mm ist die klassische Streetlinse und auch auf Veranstaltungen, oder generell zum dokumentieren super.
Das 35mm ist ein netter Hybrid aus 23mm und dem 56mm, kann Street / Portrait und auch Landschaft und hat sich ein wenig zum „Immerdrauf“ gemausert, weil es zudem noch klein und leicht ist.
Das 56mm ist einfach „die“ Portraitlinse. Der Autofokus ist nicht der schnellste, aber es ist brechend scharf und das schon ab Blende 1.2.

Was ist nicht so toll?

Wo Licht ist, ist natürlich auch Schatten. Wo ist noch Luft nach oben?

  1. Displaymechanik
    Der Mechanismus des Klappdisplays ist solala. Da gefällt mir die Lösung von Canon, oder auch von Panasonic mit der freien Beweglichkeit besser. Es fühlt sich auch nicht sonderlich vertrauenswürdig an. Aber immerhin ist es vorhanden. Ein Selfidisplay ist es jedenfalls nicht und gerade der vertikale Winkel ist relativ eingeschränkt.
  2. Ergonomie
    Die Griffigkeit ist so ein Thema, da hat Sony mit beispielsweise der a6500 etwas die Nase vorn. Die Schieberegler unter ISO- und Auslösezeiträdchen sind jedoch einfach nur ergonomisch fies zu bedienen. Speziell die Spotmessung ist gemein, da der Sucherkasten noch zusätzlich behindert. Auch fühlt sich das irgendwie nicht wertig und vertrauenswürdig an. Ich will mir garnicht ausmalen wie das für jemanden mit großen Händen ist, wenn ich mich mit meinen eher kleinen Händen schon schwer tue.
  3. Menüpunkte
    Insgesamt ist das Menü sehr aufgeräumt. Die Dokumentation empfinde ich ebenfalls als vorbildlich. Es gibt halt ein paar Menüpunkte, da sucht man sich dusselig bei. Beispielsweise das „auslösen, obwohl kein Objektiv erkannt wird“ was man benötigt um Vintagelinsen zu verwenden. Die Option findet man unter „Einrichtung => Tasten/Rad-Einstellung => Aufn. ohne Obj.“. Wer denkt sich sowas aus?
  4. Batterielaufzeit
    Mit der Canon kam ich locker 800-1100 Bilder mit einer Akkuladung. Die Zeiten sind vorbei. Je nachdem wie der Autofokus, das Display und der Leistungsboost eingestellt ist, ist zwischen 250-400 Bildern Schluss. Das ist relativ leicht mit dem Batteriegriff, oder eben ein paar Zusatzakkus behebbar, man muss sich halt vom guten alten Nokia 6210- auf die iPhone-Nutzung umstellen.
  5. Autofokus
    Da ich keinen Sport fotografiere, kann ich damit ganz gut leben, allerdings sind bestimmte Objektive leider relativ lahm beim fokussieren.
    Gerade mein geliebtes 56mm F1.2 lässt sich gern mal etwas Zeit und das gerade neu hinzugekommene 55-2oomm wird eine echte Herausforderung, was Tierfotografie angeht (was möglicherweise auch zum Verkauf des Glases führen wird, schauen wir mal).
    Die Fuji X-T2 und die jeweilige Linse können es, auch Sport. Allerdings können es andere bedeutend besser.
  6. Blitze
    Die Situation bessert sich, allerdings sollte es sich der geneigte Nikon- / Canon-Studiofotograf besser zweimal überlegen hier das System zu wechseln. Speziell wer auf TTL und / oder HSS Fähigkeiten steht, schaut zwar nicht mehr in die Röhre, ist aber auf Lösungen angewiesen, die allesamt noch nicht 100% ausgereift wirken.
    Ich habe es nach wie vor nicht geschafft meinen Nicephoto HSS-600 HSS-fähig zu bekommen. Prophoto wird demnächst was für Fuji bringen, allerdings ist das erstmal außerhalb meines Klingelbeutels.
    Nissin und Godox bieten Lösungen an, da werde ich vermutlich mal Dinge austesten und die Firma Cactus bietet ebenfalls Adapter mit denen mal Canon / Nikonblitze (und mehr) HSS fähig bekommt.
    Ich hoffe das Fujifilm hier ein einsehen hat und ein wenig mehr Entwicklungsarbeit leistet. Der hauseigene Aufsteckblitz ist da eher nicht die Lösung, da teuer, nicht entfesselbar und wohl Hörensagen nach, noch mit ein paar anderen Nachteilen versehen.
  7. Lightroomkompatiblität
    Kein direktes Problem der Fuji selbst. Hier patzt der Branchenprimus Adobe schlicht im Handling der RAW-, bzw. RAF-Dateien. Fujifilm nutzt bei der aktuellen Sensorgeneration der X-T2 halt nicht das sogenannte Bayerformat bei der Pixelanordnung. Jetzt hat Lightroom speziell sowohl performancetechnisch, als auch qualitätsmässig, massiv Probleme das Format zu verarbeiten.
    Speziell die Schärfenfunktion von Lightroom, sollte man mit Fujidateien meiden, wie der Teufel das Weihwasser.
    Man erhält schnell Artefakte und merkwürdige wurmartige Strukturen.
    Das Problem ist mit einem kleinen Zusatzinvestment und Anpassung des Entwicklungsprozesses lösbar, dazu schreibe ich noch einen separaten Beitrag.

Fazit:

Ich bereue nichts. Ich habe endlich mein Traumsystem gefunden. Es funktioniert wie ich es erwarte und macht einfach nur Spass!
Ich kann nur jedem empfehlen sich mit dem Underdog Fujifilm mal auseinanderzusetzen. Es muss ja nicht gleich die Fuji X-T2 sein. Die kleine XT2o hat etwas weniger Schnickschnack, aber den gleichen Sensor (sprich gleiche Bildqualität), die neue X-E3 ebenfalls.

  1. Das klingt alles toll, herzlichen Glückwunsch! Habe seit 4h auch das 16er! Das 56er wäre ein Traum, aber ich habe mich da für die günstigeren 50mm f2 entschieden.

    • Sebastian Berger

      Vielen Dank! 🙂 Das 50er hatte ich noch nicht in der Hand, mir war allerdings als Portraitjunkie die Offenblende wichtig. Dafür soll beim F2 allerdings der Autofokus deutlich schneller sein.
      Das 16mm ist genial! Probiers mal als Portrait (speziell bei Kindern), oder Makro aus. Auch für Sterne ist es total klasse!

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